Die Machenschaften des ADAC – oder: Wie man Vertrauen endgültig verspielen kann

Als Vielfahrer mit bis zu 60.000 zurückgelegten Kilometern mit dem Auto habe ich mich vor geraumer Zeit entschieden, (wieder) Mitglied des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (kurz ADAC) zu werden. Dies geschah trotz der verheerenden Berichte über Korruption und Missstände. Denn mir war eines wichtig: Ich wollte mit einer möglichst optimalen Absicherung in Deutschland und Europa unterwegs sein. Daher lag es auf der Hand, nach und nach auch mit meinen Versicherungen zum ADAC (bzw. der angeschlossenen Versicherungstochter) zu wechseln. Zuerst die KfZ-Versicherung, dann die Motorradversicherung, schließlich auch die Reise-, Rechtsschutz- und Unfallversicherung.

Die Kfz-Versicherung wird günstiger – nur für Dich nicht!

Zum 01.01.2020 erhielt ich eine neue Beitragsrechnung für meine Autoversicherung – und traute meinen Augen nicht: Gut 10 % Beitragserhöhung standen auf der Rechnung. Über 1.600 EUR sollte ich nunmehr jährlich blechen. Das Interessante dabei: Bei einem Neuabschluss bei der ADAC Autoversicherung AG hätte ich nur knapp 1.000 EUR bezahlt. Also wandte ich mich mit einer freundlichen eMail an die “Gelben Engel” und bat darum, doch meinen Vertrag an die neuen Bedingungen anzupassen. Nach 3 Wochen jedoch kam die Antwort, das sei nun einmal so kalkuliert. Man könne mir nicht helfen. Also griff ich zum Telefonhörer. Ein durchweg unfreundlicher Mitarbeiter erklärte sich schlussendlich bereit, meinen Vertrag anzupassen und meine Versicherungsprämie um ca. 500 EUR jährlich zu senken. Dass die Autoversicherung danach dann angeblich und nach eigenem Bekunden nicht in der Lage war, von meinem (angeblich falschen) Konto die Beiträge einzuziehen und mich hernach mit Mahnungen überzog – geschenkt.

Ein neues Motorrad im April – nun wird es “lustig”

Im April sollte nun also ein neues Motorrad als Ersatz für das im Vorjahr verkaufte und abgemeldete Zweirad versichert werden. Also die elektronische Versicherungsbestätigung beschafft, Motorrad angemeldet und Versicherungsantrag ausgefüllt. Ich war ja 27 Jahre lang Versicherungsmakler – ist ja ein leichtes. Wochenlang hörte ich nichts – bis ich plötzlich eine Gutschrift von über 500 EUR auf meinem Girokonto seitens des ADAC vorfand (Ihr erinnert Euch, das ist das “falsche” Konto). Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass man den Kfz-Versicherungsvertrag aus “technischen Gründen” auflösen musste, daraus ein Guthaben entstanden sei, welches zum einen mit der Jahresprämie für die Motorradversicherung verrechnet und zum anderen an mich ausgezahlt wurde. Aha, spannend! Der ADAC ist also nicht in der Lage, zwei Versicherungen pro Versicherungsnehmer bzw. Fahrzeughalter zu pflegen.

Neuer Versicherungsschein oder gar Beitragsrechnung? Fehlanzeige!

Nun also ist es Ende Juli. Seit Erstattung sind gut 2 Monate ins Land gegangen. Einen neuen Versicherungsschein für meine Autoversicherung habe ich bis heute nicht erhalten – und natürlich auch keine Beitragsrechnung. Ein wirklich spannendes Gefühl, sich im vertragslosen Zustand zu bewegen. Und natürlich gibt es auch für die Rechtsschutzversicherung keinerlei Beitragsrechnung – nur eine Mahnung!

Ein letzter – frustrierter – Schritt: Die Kündigung aller Verträge

Da der Club der Gelben Engel (oder müssen wir sie nun in Anbetracht der neuen Mitgliedsbeiträge “Goldene Engel” nennen?) zwischenzeitlich die Beiträge für meine Familien-Plus-Mitgliedschaft auf über 160 EUR jährlich erhöhte, nahm ich all diese Ereignisse zum Anlass und kündigte Mitgliedschaft und sämtliche Versicherungen.

Heute nun – mehrere Woche nach Erklären der Kündigung – die spannende Bestätigung. Hier ein Auszug aus dem mir im Original vorliegenden Schreiben:
“Bitte erlauben Sie uns noch den Hinweis, dass alle innerhalb der ADAC Plus-Mitgliedschaft Familie mit geschützten Personen als eigenständige Mitglieder gelten. Sollten sich XYZ (Partner-Mitglied) und der erwachsene Sohn, Herr ABC, dem Kündigungswunsch anschließen wollen, ist deren eigene schriftliche Kündigung erforderlich…… Erhalten wir von Ihren Familienmitgliedern keine separaten Kündigungen, werden deren Mitgliedschaften ab dem 01.04.2021 automatisch in Einzel-Mitgliedschaften (ohne Plus-Leistungen) umgestellt.”

Man halte sich das einmal vor Augen: Wer einen Antrag auf Mitgliedschaft beim ADAC stellt (online), der kann seine Familienmitglieder angeben. Diese sind im Rahmen der Familienmitgliedschaft – für welche ich natürlich die Beiträge in entsprechender Höhe bezahle – mitversichert. Das geht alles ganz einfach, und jedes Mitglied erhält ohne eigenständige Willenserklärung eine eigene Mitgliedskarte. Doch wenn Du – z. B. aufgrund der krummen Machenschaften dieses “Vereins” – auf dem gleichen Weg diese Mitgliedschaft kündigst, verlangt dieser “Club” von seinem “Mitglied” (besser gesagt seiner Melkkuh) eine explizite Willenserklärung dieser Personen.

Fazit: Es war einmal ein Verein – davon ist nichts mehr geblieben

Wer so mit seinen Melkkühen äh Mitgliedern umgeht, wird sich nicht wundern müssen, wenn ihm das auf kurz oder lang auf die Füße fällt. Ich jedenfalls werde jetzt eine Akte schnüren und diese der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht übergeben. Denn das was ich hier schildere, ist lediglich die Spitze des Eisbergs. Die Nichtbearbeitung von eMails, Fax-Übertragungen, Beschwerden und Erklärungen rundet dieses Bild ab. Ich habe in der Vergangenheit ca. 2.500 EUR jährlich an diesen Verein für Versicherungs- und Schutzbriefleistungen überwiesen. Dabei wusste ich, dass ich gleiche oder ähnliche Leistungen bei anderen Institutionen günstiger bekomme. Ich bin nunmehr Mitglied beim AvD – und bezahle rund die Hälfte. Gleiches gilt für die Unfallversicherung. Diesem “Mehr” an Beiträgen steht nicht nur kein “Mehr” an Leistungen gegenüber. Im Gegenteil: Hier wird mindestens hart am Rande der Legalität gehandelt.

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