Der Weg zu nachhaltiger Landwirtschaft

Ich darf Euch Günther vorstellen. Günther steht in der Nähe von Valencia und ist ein Apfelsinenbaum – und er gehört mir. Ja, Ihr habt richtig gelesen: Ich bin stolzer Eigentümer eines eigenen Apfelsinenbaums ins Spanien. Wie ich dazu gekommen bin und warum, darüber möchte ich heute berichten.

Wer kennt sie nicht, die ewigen Diskussionen über die “armen Landwirte”. Doch seien wir ehrlich: Glauben wir nicht immer wieder, dass dies Jammern auf hohem Niveau ist und dass es schon nicht so schlimm sein kann? Einzig die Diskussion über den aktuellen Milchpreis hat uns in den letzten Jahren stärker sensibilisiert für die Nöte der Landwirtschaft. Doch wer beschäftigt sich schon mit den Erzeugern, wenn Zitrusfrüchte schön drapiert im Supermarktregal liegen? Die Antwort ist recht einfach: Ich – und mit mir mehr und mehr Europäer.

Der Weg von der Erzeugung bis zum Verbraucher

Ein konventioneller Orangenfarmer z. B. erhält je Kilogramm Apfelsinen zwischen 13 und 16 Cent – mit fallender Tendenz. Bis die Früchte dann im Supermarktregal liegen, haben sich die Preise um rund 700 % erhöht. Draufgegangen ist das Geld für die Zwischenhändler, die Kühlung und den Transport.

Um jedoch das eigene Überleben zu sichern, müssen die Farmer aus gleicher Fläche einen höheren Ertrag gewinnen: Die Bäume müssen dichter gepflanzt werden und um den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden führt vermeintlich kein Weg herum.

Naranjas del Carmen hingegen hat eine bestechende Idee

Gabriel und Gonzalo Uculo haben vor einigen Jahren die herunter gekommene Orangen-Finca ihres Großvaters übernommen – und hatten eine Idee zur Vermarktung der Früchte: Sie suchen sich ihre Kunden in ganz Europa selbst! Dabei gehen sie natürlich nicht von Tür zu Tür. Vielmehr setzen sie auf sämtliche Social-Media-Kanäle und die Direktvermarktung über die eigene Website. Der Clou: Der Endverbraucher erwirbt nicht einfach ein paar Kilogramm Orangen, sondern adoptiert einen eigenen Baum – bei mir halt Günther. Für eine einmalige Zahlung wird man (virtueller) Eigentümer dieses Baumes und erwirbt das Recht auf eine bestimmte Menge an Orangen. Diese kann man individuell festlegen. Ab dem zweiten Jahr bezahlt man für den Unterhalt und die Ernte einen festen Betrag. Für die Früchte selbst bezahlt man dann nur noch die Frachtkosten.

Konkret bedeutet dies, dann man z. B. für ein Einstiegsinvestment von 80 EUR sowie einer Jahreszahlung von 60 EUR pro Jahr 80 kg Orangen erhalten kann – jeweils zuzüglich Frachtkosten.

Sowohl Farmer als auch Kunde sind Gewinner

Setzen wir die 60 EUR Jahreszahlung in Verhältnis zu den 80 kg Orangen, so erhält der Farmer hier 75 Cent je kg – und spart darüber hinaus auch noch Kosten. Denn durch den deutlich höheren Preis können die Bäume weiter auseinander gepflanzt werden. Dadurch bekommen die Früchte mehr Sonne ab und die Bäume bleiben auch ohne Chemikalien gesund. Sie tragen deutlich länger als beim konventionellen Farmer (wenn auch nur in etwa die Hälfte). Außerdem werden die Früchte nur auf Anforderung des Kunden geerntet und gehen bereits am Folgetag auf die Reise. Das spart Kühlhäuser und schont damit die Umwelt.

Der Verbraucher hingegen erhält stets frische Früchte in einer extrem hohen Qualität und ohne Rückstände von Insektiziden oder Pestiziden. Außerdem zahlt er auch inklusive der Frachtkosten nicht mehr für das Obst von seinem eigenen Baum als für die schon Wochen zuvor geernteten Schwestern und Brüder aus dem Supermarkt.

Das Beispiel macht Schule

Mittlerweile wurde aus dieser Idee das so genannte “Crowdfarming”. Nachdem sich mehr und mehr Orangen- und Clementinenfarmer der Idee der Uculo-Brüder anschlossen, wächst das Portfolio monatlich. Mittlerweile sind viele Produkte im Angebot, so z. B. verschiedene Honig- und Käsesorten, Quinoa, Olivenöl, Bio-Pasta, Äpfel, Mehl und vieles mehr. Die Farmer finden sich dabei mittlerweile nicht mehr nur noch in Europa. Auch Schokolade von den Philippinen gehört z. B. mittlerweile dazu.

Gelebte Nachhaltigkeit

Wer sich einmal für eine Adoption entschieden hat, bleibt in der Regel auch am Ball. Das bringt den Farmern Kalkulationssicherheit und sichert ihre Existenz. Die angebotenen Produkte sind von außerordentlich hoher Qualität, meist Bioprodukte, teilweise sogar mit Demeter- oder anderen Bio-Siegeln. So entsteht nach und nach eine verschworene Gemeinschaft mit einem bemerkenswerten Nebeneffekt: Oft sind Adoptionen aktuell nicht verfügbar und der Interessent muss auf eine neue Gelegenheit warten. Dies schafft Bewusstsein für unsere Umwelt. Und plötzlich wird auch wieder klar: Zitrusfrüchte zum Discounterpreis im Sommer kennen eigentlich nur Verlierer.

Wer mehr über die Idee des Crowdfarming wissen möchte, dem lege ich die Website https://www.crowdfarming.com/de ans Herz.,

 

 

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